Presseberichte GFA

"finews.ch", Februar, 2010

Wir sind gefordert

Die unabhängigen Vermögensverwalter konnten zuletzt wieder Kunden gewinnen, sagt der Präsident ihres Verbands – dank ihrer Unabhängigkeit.
 

Herr Zuber, welche Ziele hat sich der Verband de Schweizer Vermögensverwalter für 2010 gesetzt?

Die kommenden Monate markieren einen einschneidenden Umbruch in der Entwicklung des schweizerischen Finanzplatzes. Angesichts der internationalen Regulierungsbestrebungen steht die schweizerische Selbstregulierung einmal mehr auf dem Prüfstand. Vieles hängt davon ab, wie die verschiedenen Branchenorganisationen die von der Finma definierten Mindeststandards zur Selbstregulierung in der unabhängigen Vermögensverwaltung in der Praxis umsetzen. Diesbezüglich ist auch der VSV gefordert, unter Beweis zu stellen, dass die unabhängigen Vermögensverwalter durchaus in der Lage sind, Missbräuchen in der Branche wirksam vorzubeugen – und Verstösse entsprechend zu sanktionieren. Der Verband ist diesbezüglich gut positioniert. Allerdings muss es dem VSV gelingen, die Anliegen und Bedürfnisse seiner Mitglieder noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen – durch die thematische Besetzung wichtiger Fragestellungen, eine verstärkte Vernetzung sowie eine intensivierte Kommunikation.
 

Wie entwickelt sich die Mitarbeiterzahl der VSV-Mitglieder? Wie entwickeln sich die Assets under Management?

Im Rahmen der Aufsichtstätigkeit werden vom VSV gewisse Angaben über die Mitglieder erfasst und überprüft, jedoch nur teilweise systematisch ausgewertet. Leider verfügt der VSV bezüglich Anzahl Mitarbeiter bzw. Assets under Management über keine fundierten Daten. Eine statistisch erhärtete Antwort aus Sicht des Verbandes ist darum momentan nicht möglich. Die entsprechenden Instrumente sind aber in Entwicklung. Anfang 2011 sollten entsprechende Analysen und Aussagen möglich sein.
 

Wie hat die Finanzkrise die Branche verändert?

Der internationale Vermögenszerfall führte auch bei den unabhängigen Vermögensverwaltern zu Einbussen bei den Vermögensverwaltungserträgen. Viele, gerade kleinere Unternehmen mussten sich auf eine schmalere Ertragslage ausrichten. Allerdings kam es in der Folge kaum zu Liquidationen. Angesichts des steigenden reglementarischen Drucks dürften die administrativen Kosten künftig eher noch zunehmen.Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung von Kooperationen und alternativen Geschäftsmodellen weiter steigen; mittels Allianzen lassen sich Prozesse bündeln, Kosten senken und Angebote verbessern. Dadurch kann der UVV wieder stärker auf die Bedürfnisse seiner immer anspruchsvolleren Klientel konzentrieren.
 

Wie entwickelt sich die Mitgliederzahl des VSV?

Trotz Finanzkrise nahm die Zahl der VSV-Mitglieder weiter zu. Zählte der Verband 2008 noch 981 Mitglieder, so sind es mittlerweile deren 1'009. Dies entspricht einer Nettozunahme von 2.9 Prozent. Insbesondere erhöhte sich die Zahl der Aktivmitglieder von 832 im Vorjahr auf 872 (+40) per Ende 2009. Mit einer Zunahme von 27 Aktivmitgliedern verzeichnete die Deutschschweiz das höchste Nettowachstum. Die Romandie verbuchte einen Zuwachs von acht, das Tessin einen Anstieg von zwei Aktivmitgliedern. Insgesamt wurden 79 unabhängige Vermögensverwalter neu in den Verband aufgenommen, 37 traten aus dem Verband aus. Bei den Verbandsaustritten dominierten die altersbedingten Geschäftsaufgaben. Eine wichtige Rolle spielten auch Firmenübernahmen und Fusionen. Vielfältig sind auch die Ursachen für das Mitgliederwachstum. Vermögenszerfall und Ertragsschwund führten zu Kostenreduktionen und gesteigerten Produktivitätsvorgaben bei den Banken. Der hohe Verkaufsdruck, der inzwischen auf vielen Bankberatern lastet, liess vermehrt auch Kaderleute den Sprung in die Selbständigkeit wahren. Dies hat insbesondere in der Deutschschweiz zu einer Reihe von Neugründungen geführt. Der Umstand, dass gerade kleinere Finanzakteure vom Vertrauensverlust der Grossbanken profitierten, dürfte dieser Entwicklung zu zusätzlichem Auftrieb verholfen haben. Gerade ihre Unabhängigkeit verleiht den unabhängigen Vermögensverwaltern grosse Anziehungskraft – und hohe Glaubwürdigkeit.
 

Wie hat die Finanzkrise das Verhalten der Vermögensverwalter tangiert??

Die Krise hat sicherlich dazu geführt, dass die Vermögensverwalter bei der Wahl ihrer Anlagen noch vorsichtiger geworden sind – und die Risiken sorgfältiger prüfen. Auch der Bonität des Schuldners wird heute wieder grössere Bedeutung eingeräumt. Tendenziell werden einfachere und transparente Produkte bevorzugt.
 

Begrüssen Sie die Tendenz Beratung/Verwaltung für den Berater und Verwalter stärker zu regulieren – wie in Deutschland mit Beratungsprotokollen, Rücktrittsrecht vom Wertpapiergeschäften oder Verlängerung der Verjährungsfrist für Falschberatung?

Der VSV stellt hohe Anforderungen an die Beratung durch seine Mitglieder und die Information der Kunden. Die entsprechenden Pflichten sind in den schweizerischen Standesregeln für die Ausübung der unabhängigen Vermögensverwaltung festgehalten. Die Einhaltung der Bestimmungen wird vom Verband überwacht und Verstösse werden sanktioniert. Allerdings geht der VSV nicht soweit, seinen Mitgliedern beispielsweise das Führen von Beratungsprotokollen vorzuschreiben. Grundsätzlich liegt es im Eigeninteresse jedes unabhängigen Vermögensverwalters, seine Kunden richtig zu beraten, da die Zufriedenheit des Anlegers oft entscheidend für den wirtschaftlichen Fortbestand des Unternehmens ist. Anlegerschutzbestrebungen müssen in einem angemessenen Verhältnis zum Aufwand stehen. Massnahmen ohne nachweislich positive Auswirkungen auf den Anlegerschutz erhöhen lediglich den administrativen Aufwand für den Vermögensverwalter und wirken auf die Kosten. Diese werden wiederum auf den Kunden überwälzt. Solches kann kaum im Interesse des Anlegers liegen. Deshalb steht der Verband etwa einer gesetzlichen Pflicht zur Erstellung eines Beratungsprotokolls eher skeptisch gegenüber.
 

Sie möchten den Markt für Schweizer Vermögensverwalter in die EU ausdehnen. Wie sind die Perspektiven?

In Anbetracht des Einlenkens im Steuerstreit und der damit verbundenen Aushandlung neuer Doppelbesteuerungsabkommen sowie der Weiterführung der Personenfreizügigkeit dürfen Benachteiligungen beim Marktzutritt nicht mehr länger hingenommen werden. Der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter fordert darum vehement, dass den Schweizer Finanzdienstleistern die Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen zu ermöglichen sei. Dies wird angesichts der Abschottung der internationalen Märkte allerdings nur sehr schwer zu erreichen sein.

"NZZ am Sonntag", 2009

Unabhängigkeit und Qualität sind wichtig

Der Präsident der Vermögensverwalter zur Beratung
DJean-Pierre Zuber, Präsident des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter, sagt, warum Anleger im Moment in sichere Häfen steuern. Mit strengeren Standesregeln will sich die Branche von schwarzen Schafen abgrenzen.
Interview: David Strohm
 

NZZ am Sonntag : Die Finanzkrise mit ihrem massiven Einbruch an den Börsen hat tiefe Spuren in den Portfolios der Anleger hinterlassen. Wie vermitteln Vermögensverwalter ihren Kunden solch hohe Verluste?

Jean-Pierre Zuber : Wie die meisten Anleger standen auch viele Vermögensverwalter zunächst am Berg. Sie suchten nach Erklärungen und versuchten zu verstehen, was da passiert ist. Es ist eine grosse Enttäuschung. Ursachen und Ausmass der Finanzkrise kamen auch für mich überraschend. Wir hatten seit 2003 vier gute bis sehr gute Jahre. Niemand hat alle Gewinne mitgenommen. Die Verluste sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Ich persönlich habe mich manchmal geschämt, keine besseren Antworten auf die Fragen meiner Kunden und Kollegen gehabt zu haben.
 

Welche Fragen beschäftigen sie denn?

Sie wollen wissen, wie es jetzt weitergeht. Was nun zu tun ist und wie man die Vermögen sichern kann.
 

Und was raten Sie dann Ihren Kundinnen und Kunden?

Zuerst einmal Ruhe bewahren. Wenn die Krise vorbei ist, wird es wieder aufwärtsgehen. Ein guter Vermögensverwalter sucht das Gespräch und ist in der Lage, seinen Kunden Orientierungshilfe in einer schwierigen Situation zu geben. Zu seinen Kunden unterhält er meist ein langjähriges, vielleicht sogar freundschaftliches Vertrauensverhältnis. Gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen, ist ein gangbarer Weg.
 

Welche Lösungen stehen denn da im Vordergrund?

Zunächst gilt es, den Stillstand zu überwinden, der uns alle gelähmt hat. Wir spüren, dass die Kunden langsam bereit sind, wieder zu investieren. Für mich ist der Moment jetzt da, ein Wendepunkt in der Krise. Die Anleger sind nach der Hausse und dem darauf folgenden Absturz jetzt auf der Suche nach einem ruhigeren Hafen. Sie achten stärker auf Risiken und wählen eine Asset Allocation, die dem Rechnung trägt.
 

Risiken, die sie früher auf den Rat ihres Vermögensverwalters eingegangen sind.

Ich will nicht negieren, dass einige Vermögensverwalter auch riskante Produkte empfohlen haben. Im Rückblick haben sich die unabhängigen Vermögensverwalter aber vorsichtiger verhalten als manche Bank. Unabhängigkeit und Qualitätsanspruch haben da Exzessen wirksam vorgebeugt.
 

Viele Kunden und ein Grossteil der Vermögen stammen aus dem Ausland. Was hat die jüngste Debatte um das Bankgeheimnis bewirkt?

Es lässt sich nicht wegdiskutieren. Diese Debatte hilft uns nicht. Sie hat die Beziehung zu ausländischen Kunden, die für uns unabhängige Vermögensverwalter wichtig sind, schwieriger gemacht. Die meisten ausländischen Kunden legen ihre Vermögen oder Teile davon aber nicht aus steuerlichen Überlegungen in der Schweiz an. Sie kommen in erster Linie zu uns, weil wir professionelle Dienstleistungen erbringen.
 

Das können Ihre Kollegen in anderen Ländern doch auch.

Da bin ich anderer Meinung. Was individuelle Betreuung, Kundenservice, internationale Vernetzung, aber auch risikoadjustierte Performance anbelangt, sind die Vermögensverwalter in der Schweiz weiterhin führend. Die Konkurrenz im Ausland scheut keiner von uns. Wir unabhängigen schweizerischen Vermögensverwalter fordern aber eine grenzüberschreitende Dienstleistungsfreiheit, wie sie in vielen anderen Branchen bereits Realität geworden ist. Zum Beispiel, dass wir unsere Kunden in Frankfurt oder Paris besuchen und betreuen können. Das geht heute in vielen Fällen leider nicht.
 

Immer wieder hört man Klagen über hohe Kosten und geringe Transparenz. Ist die Vermögensverwaltung ihr Geld überhaupt wert?

Diese Vorwürfe sind so alt wie unser Beruf. Im Vergleich zu vielen Banken zahlen Kunden bei einem Vermögensverwalter, unter Berücksichtigung aller Kosten, für die gebotenen Dienstleistungen weniger. Die vertraglich festgelegte Vergütung basiert auf verschiedenen Modellen, prozentual oder pauschal, mit oder ohne Gewinnbeteiligung. Im Durchschnitt beträgt das Honorar etwa 0,8% des verwalteten Vermögens. Die Höhe der Vergütungen ist für die Kundinnen und Kunden transparent.
 

Die Vermögensverwalter erhalten aber auch Geld von Depotbanken und den Anbietern der vermittelten Produkte.

Ziel der Vermögensverwaltung sollte sein, dass der Kunde eine seinem Risikoprofil entsprechende Rendite bei möglichst tiefen Gesamtkosten erzielt. Wenn Depotbanken und Produkteanbieter Vermögensverwalter für erbrachte Leistungen abgelten, beeinflusst das die Gesamtkosten in der Regel nicht.
 

Diese sogenannten Kick-Backs und Retrozessionen sind umstritten. Zum einen können sie die Unabhängigkeit des Vermögensverwalters untergraben, weil sie falsche Anreize setzen. Zum anderen ist nicht klar, wem sie gehören. Das Bundesgericht hat in einem Fall festgehalten, dass Retrozessionen grundsätzlich den Kunden zustehen. Warum bezieht der VSV hier nicht eine klare Position?

Banken und andere Produkteanbieter haben heute die Kosten der Vermarktung eingepreist. Wenn das Produkt oder die Bank gut ist und zum Anleger passt, darf der Vermögensverwalter nicht auf ihm angebotene Vorteile verzichten. Durch zu hohe Gesamtkosten würde er sonst dem Kunden schaden. Die Vermarktungskosten würden beim Anbieter verbleiben. Ohne diese finanziellen Vorteile müsste der Vermögensverwalter ein höheres Honorar verlangen. Entscheidend ist, dass Transparenz herrscht. Unsere Kunden haben das Recht auf diese Informationen. Mit den neuen Standesregeln gehen die Mitglieder des VSV deutlich weiter als andere in der Branche.
 

Was müssen Kunden tun, wenn sie mit der Arbeit ihres Vermögensverwalters nicht zufrieden sind? An wen kann man sich wenden?

Zunächst einmal sollte man das direkte Gespräch suchen. Erfolgreiche Vermögensverwaltung basiert auf dem Dialog und dem Vertrauen zwischen den Parteien. Wenn das nicht mehr gegeben ist, können sich Kunden an uns wenden. Der VSV vermittelt dabei neutral und sucht nach fairen Lösungen. Anfragen an den Bankenombudsmann, welche unabhängige Vermögensverwalter betreffen, werden von diesem an uns weitergeleitet.
 

Die Branche reguliert sich zum Teil selbst. Wie hoch ist der Aufwand dafür?

Der Aufwand ist sehr gross, gerade für kleinere und kleinste Vermögensverwalter. 15% bis 20% der jährlichen Kosten fallen durch Prävention der Geldwäscherei an. Die Ausgestaltung unserer Selbstregulierungsorganisation SRO gilt als vorbildlich.
 

Immer wieder kommen Fälle von Anlagebetrug in die Schlagzeilen. Was lässt sich gegen die schwarzen Schafe unter den Vermögensverwaltern tun, die den Ruf des Berufsstandes beschädigen?

Einen hundertprozentigen Schutz gegen das Phänomen Anlagebetrug gibt es nicht. Mich erstaunt stets aufs Neue, wie es solche Betrüger offenbar schaffen, leichtsinnige Anleger zu schädigen. Wer blindlings jemandem sein Geld überlässt, ohne die Seriosität seines Partners zu überprüfen, handelt naiv. Unsere Mitglieder sind natürlich auch wachsam und melden uns Verdachtsfälle. Eine effiziente Selbstregulierung, durchgeführt durch unabhängige Verbandsorgane, erachte ich als die beste Methode, den Ruf der Branche zu wahren und festigen. Die seriösen Vermögensverwalter haben ein Interesse daran, schwarze Schafe auszumerzen.
 

Wie sieht die wirtschaftliche Lage der viele Kleinbetriebe in der Branche aus?

Im Moment ist es für einige sicher schwierig, solange die Börse so unsicher ist. Ich bin aber überzeugt, dass die Bedeutung der unabhängigen Vermögensverwaltung weiter zunehmen wird. Kleine, anpassungsfähige Unternehmen sind auch in der Finanzwirtschaft wichtige Player. Sie können flexibler auf Veränderung reagieren.

"Swiss Private Banking Guide", 2007

Leben auf permanenter Baustelle

Der Präsident des Schweizerischen Vermögensverwalterverbandes erläutert im Gespräch mit Stocks die wichtigsten Baustellen, die er als Lobbyist für die Branche aktuell beackert.
 

Seit wann sind Sie Präsident des VSV?

Meine Firma ist Mitglied im VSV seit 1991. Im Jahre 1993 wurde ich in den Vorstand gewählt und seit 1998 bin ich Präsident. An der diesjährigen Mitgliederversammlung kann ich also mein zehnjähriges Jubiläum als Präsident feiern. Ich kann auf zehn enorm ereignisreiche Jahre zurückblicken und freue mich auf die nächsten Jahre.
 

Welches sind die wichtigsten Neuregulierungen, die in Ihre Amtszeit fallen?

Die vergangenen zehn Jahre waren an der Regulierungsfront ein Leben auf einer permanenten Baustelle. Schwerpunktereignisse waren sicherlich das Geldwäschereigesetz und dessen Umsetzung in den Jahren 1999 und 2000 und das auf den 1. Januar 2007 in Kraft getretene neue Kollektivanlagengesetz. Wichtig war aber auch die mehrjährige Debatte über die Ausdehnung der sogenannten prudentiellen Aufsicht auf die unabhängigen Vermögensverwalter. Ende 2001 sah es so aus, als sei die Eingliederung der unabhängigen Vermögensverwalter in die Bankenaufsicht nur noch eine Frage der Zeit. Am Ende der Debatte im Herbst 2005 erkannte aber auch der Bundesrat, dass es kein Regulierungsbedürfnis gibt, wenn damit kein freier Zugang zu den ausländische Märkten verbunden ist. Ein guter Entscheid. Die Regulierungsdebatte wird aber damit nicht für alle Zeit vom Tisch sein. Das Thema wird sicherlich wiederkommen.
 

Welche Regulierungen, die die unabhängigen Vermögensverwalter betreffen, sind derzeit auf dem Weg?

In der Schweiz ist zur Zeit „nur“ die Revision des Geldwäschereigesetzes in der Pipeline. Die grösseren Regulierungsvorhaben betreffend die unabhängigen Vermögensverwalter sind abgeschlossen oder befinden sich, wie z.B. das Kollektivanlagengesetz, in der Phase der technischen Umsetzung durch die Behörden und Verbände. Es zeigt sich aber mehr und mehr, dass der Blick bis zu den eigenen Landesgrenzen ungenügend ist. In der EU wir zur Zeit die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) umgesetzt. Die neue einheitliche Regulierung auch der Vermögensverwaltung in Gesamteuropa wird auch ihre Spuren in der Schweiz hinterlassen. Auch wenn wir kein Mitglied der EU oder des EWR sind, können wir uns diesen Einflüssen kaum entziehen. Die Regulierung im EWR prägt die Erwartung vieler unserer Kunden. Die neuen Bestimmungen über die Kundeninformation oder die detaillierten Regeln über den Umgang mit Interessenkonflikten werden auch die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz beeinflussen. Eine spannende Herausforderung für die Selbstregulierung der Branche in der Schweiz.
 

Wie beurteilen Sie die zunehmende Regulierungsdichte?

Über das Erreichen der Zumutbarkeitsgrenze bei der Regulierungsdichte wurde in den letzten 10 Jahren unendlich viel geschrieben und debattiert. Die grundlegenden Fakten sind trotzdem einfach: Die Regulierung und die daraus entstehenden Kosten belasten kleine Unternehmen viel stärker als grosse. Der regulatorisch bedingte Kostenanstieg hat bei unseren KMUs eine Belastungsgrenze erreicht, die nicht überschritten werden darf. Für die Mehrzahl kleiner Vermögensverwalter werden die regulatorisch bedingten Kosten sonst zu einer Existenzfrage. Politik und Behörden begreifen nur langsam, dass die Konzepte und Methoden zur Beaufsichtigung grösserer Bankinstitute nicht in gleicher Weise auf KMU angewendet werden können. Hier ist noch viel zu tun für den VSV. Die EU verordnet zum 15. Juni 2007 an den Aussengrenzen der EU die Auskunftspflicht für Bargeldtransfers ab 10000 Franken.
 
 

Was hält der schweizerische Verband der Vermögensverwalter davon?

Die Meldepflicht betrifft jegliches Bargeld über EUR 10‘000 (nicht CHF), das von Personen beim Grenzübertritt mitgeführt wird. Von dieser neuen Regelung sind die Vermögensverwalter weit weniger betroffen, als die Menschen, die in grenznahen Gebieten leben und deren geschäftliche Tätigkeit sich auf beiden Seiten der Grenze abspielt. Jedes einfache Zug um Zug-Geschäft wird so mit sinn- und zwecklosen bürokratischen Hürden versehen. Vor allem das im grenznahen Raum tätige Gewerbe wird dadurch, angeblich um die Terrorismusfinanzierung zu bekämpfen, regelrecht schikaniert. Wir hoffen, dass dieser Unsinn ein Ende finden wird, wenn die Personenkontrollen an den Grenzen mit dem Beitritt der Schweiz zum Schengener Abkommen abgebaut werden. Das Wachstum der grossen Vermögen findet in Asien, Middle East und Lateinamerika statt.
 
 

Was tut der Verband, um seine Mitglieder bei der Erschliessung dieser Vermögen auf der Höhe der Zeit zu halten?

Die Netzwerke unserer Mitglieder sind gut. Die Marketingstärke der unabhängigen Vermögensverwalter liegt nicht im Sponsoring von Mega-Anlässen, wie z.B. dem America’s Cup. Persönliche Beziehungen und die Empfehlung durch bestehende Kunden sind die wichtigsten Marketinginstrumente von kleinen Unternehmen. Und hier zeigen wir uns sehr stark. Mit seinem Jahresbudget von rund CHF 3 Mio., das knapp zur Bestreitung der Kosten der notwendigen politischen Arbeit in der Schweiz, der Mitgliederunterstützung und -betreuung und der Selbstregulierungsorganisation reicht, kann der VSV keine grossen Sprünge auf dem internationalen Parkett machen.
 

Betreibt der Verband gezieltes Lobbying für seine Mitglieder in attraktiven Märkten?

Als Verband ist der VSV für alle seine Mitglieder da. Er hat sich strikt wettbewerbsneutral zu verhalten. Er kann also nicht ausgewählte Mitglieder auf deren individuellen Absatzmärkten fördern. Damit kann der VSV nur die Marke „VSV“, als gemeinsames Zeichen der führenden unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz, im Interesse aller Mitglieder fördern. Dies setzen wir mit verschiedenen Massnahmen um. Zum einen versuchen wir, die Marke „VSV“ in den Medien auf den wichtigen Märkten zu präsentieren, um damit die bestehende und potentielle Kundschaft unserer Mitglieder auf den Qualitätsgedanken des VSV „einzuschwören“. Andererseits pflegt der VSV intensive Kontakte zu ausländischen Organisationen und Verbänden, in welchen traditionell zu den Kundenkontaktvermittlern für unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz gehörenden Branchen vereint sind. Dazu gehören ausländische Verbände von Banken, Vermögensverwaltern, Rechtsanwälten, Treuhändern, Finanzberatern etc. Diese zum Beraternetz der ausländischen Kunden gehörenden Dienstleister sind wichtige „Referrers“ für Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Bei diesen Profis muss die Marke „VSV“ als Gütesiegel für qualitativ hochstehende Vermögensverwaltung weltweit bekannt sein. Zudem evaluieren wir zur Zeit, wie der VSV eine Präsenz im Ausland auch an Veranstaltungen, wie Finanzmessen, internationalen Kongressen etc. aufbauen kann. Das sind relativ kostspielige Unterfangen, deren Wirksamkeit genau zu prüfen ist. Der Vorstand des VSV will hier sicher nicht einen schönen, aber unnützen Kongresstourismus für die Mitarbeitenden aufziehen.
 

Wie entwickelt sich das thema Akquise/Niederlassung von Schweizer Vermögensverwaltern in der EU weiter?

Wir beobachten die Massnahmen zur Marktabschottung gegen die schweizerische Konkurrenz in vielen EU-Staaten sehr genau. Dabei zeigt sich ein zunehmend uneinheitliches Profil in den verschiedenen Ländern. Es gibt Länder, die missachten bei der Dienstleistungserbringung im Rahmen des GATS eingegangene völkerrechtliche Verpflichtungen, während andere im Rahmen der Öffnung der Märkte innerhalb der EU auch eine Marktöffnung gegenüber Drittstaaten betreiben. Diese Staaten haben erkannt, dass es besser ist, die Tätigkeit unabhängiger Vermögensverwalter aus der Schweiz zuzulassen, als die weitere Abwanderung von Vermögen in Kauf zu nehmen. Unabhängige Vermögensverwalter aus der Schweiz können hier nach wie vor und effektiv Nischen besetzen. Allerdings könnte die politische Unterstützung der unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz durch die hiesige Politik durchaus besser sein. Während die Eidgenössische Bankenkommission in einigen EU-Staaten, insbesondere in Deutschland, für die Banken sehr erfolgreich lobbyiert hat, erfahren die unabhängigen Vermögensverwalter keine entsprechende Unterstützung. Wir hoffen, dass sich dieses ungleiche Lobbying ändert, wenn die schweizerischen Finanzmarktaufsichtsbehörden in der FINMA unter einem Dach vereint werden.
 

Nutzen schweizerische Vermögensverwalter den Schritt über den Rhein ins Fürstentum Liechtenstein, um sich EU-kompatible Lösungen zu erschliessen?

Es gibt einige Mitglieder, die in Liechtenstein ein Standbein eröffnen, um eine aktive Bearbeitung des europäischen Marktes aus dem EWR zu betreiben. Das Fürstentum Liechtenstein bietet für die Ansiedlung von Vermögensverwaltungsunternehmen, die aktives Marketing im EWR-Raum betreiben wollen, rechtlich interessante Rahmenbedingungen. Andererseits sehen wir auch eine gegenläufige Bewegung, nämlich die Umsiedlung von unabhängigen Vermögensverwaltern aus dem EWR-Raum in die Schweiz. Der Standort Schweiz ist für Vermögensverwaltungsdienstleistungen also nach wie vor sehr attraktiv.
 

Wieviel Geldwäschetatbestände wurden im Rahmen der SRO VSV im vergangenen Jahr gemeldet?

Die Meldepflicht nach dem GwG trifft nicht den VSV, sondern die Mitglieder. Die Mitglieder sind von Gesetzes wegen nicht verpflichtet, uns über jede Meldung zu orientieren. Die Gesamtzahl der Meldung ermitteln wir jeweils aufgrund der Revisionsberichte. Die Auswertung für das Jahr 2006 ist noch nicht komplett. Wir rechnen aber damit, dass dem allgemeinen Trend folgend auch die Verdachtsmeldungen durch die VSV-Mitglieder rückläufig sein dürften. Unsere SRO rechnet mit einer sehr tiefen zweistelligen Zahl von Verdachtsmeldungen durch die VSV-Mitglieder. Die Bemühungen um einen sauberen Finanzplatz greifen. In der Schweiz Geld waschen zu wollen, ist sehr unattraktiv geworden.

 
 
 
 

Finanz und Wirtschaft, 18.08.2004, Seite 17
Jean-Pierre Zuber, Präsident VSV

«Mehr Unabhängige»

Das Umfeld für im Privatebanking tätige Institute ist massiv schwieriger geworden. Wie stellen sich die unabhängigen Vermögensverwalter der Zukunft? Jean-Pierre Zuber, Präsident des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter, nimmt Stellung. Dem VSV gehören über 770 Aktivmitglieder an, die gesamthaft 130 bis 170 Mrd. Fr. Kundenvermögen verwalten. Die Mitgliederzahl, die sich seit dem Jahr 2000 fast verfünffacht hat, ist steigend.
 

Herr Zuber, wo liegen heute die grössten Herausforderungen für die unabhängigen Vermögensverwalter?

An das kompetitiver gewordene Umfeld passen sich unsere Mitglieder, die mit leichten Strukturen arbeiten, einfacher an als unsere Mitbewerber aus dem Bankenbereich. Andererseits besteht die Gefahr der Überregulierung, die ich für einen nicht vertretbaren staatlichen Opportunismus halte. Die Selbstregulierung des VSV ist weitgehend europakompatibel. Wird bei den übrigen Punkten wie Grundkapital, Eigenmittel und Haftpflichtversicherung Augenmass gewahrt, könnte ich auch mit einer staatlichen Regulierung leben. Nachdem sich die EU mit der neuen Finanzprodukterichtlinie von der Selbstregulierung verabschiedet, wird die Schweiz nachziehen müssen.

Das wird höhere Fixkosten zur Folge haben, was den Spielraum für kleinere Asset manager massiv einengt. Wo ist die kritische Grösse?

Es ist nicht möglich, die kritische Grösse in einer absoluten Zahl auszudrücken. Richtig ist, dass die administrativen Hürden für den Markteintritt höher geworden sind. Heute sind über 50% der unabhängigen Vermögensverwalter Einpersonenbetriebe. Auch in unserem Verband lässt sich fast die Hälfte in diese Kategorie einstufen. Bei Neugründungen sehen wir aber einen ausgeprägten Trend zu grösseren Einheiten. Meist sind es zwei, drei Kollegen, die sich zusammentun, um Kosten zu sparen. Die Entwicklung geht weg von der ‹Micro enterprise› hin zu gesunden, flexiblen Kleinunternehmen.
 

Was verdienen Ihre Mitglieder im Schnitt? Wie viele sind überlebensfähig?

Im Schnitt erzielt ein unabhängiger Asset manager rund 0,8% der verwalteten Vermögen an Roheinnahmen. Auch in unserer Branche liegt das Erfolgsgeheimnis in einem kostengünstigen Betrieb. Kleinere Institute haben hier erfahrungsgemäss gute Karten. Die Fixkosten eines Instituts für das Regulatorische schätzen wir auf jährlich 8000 bis 12000 Fr. Nach unserer Einschätzung sind unsere Mitglieder – mit ganz wenigen Ausnahmen – überlebensfähig. Allerdings erzielen nur die wenigsten ein Spitzeneinkommen, das dem Vergleich mit den Top-Private-Bankern standhält. Wir sind die ‹Gewerbler› des Finanzplatzes. Ein guter gewerblicher Unterbau tut jeder Branche gut.

Immer mehr Unabhängige bieten sich grösseren Instituten zum Verkauf an. Wie weit ist die Konsolidierung Ihrer Branche fortgeschritten?

Diesen Trend erkennen wir nicht. Noch immer ist die Zahl der Markteintritte grösser als die der Unternehmensschliessungen, die meist im Zusammenhang mit der Aufgabe der Erwerbstätigkeit stehen. Neu ist, dass unabhängige Vermögensverwalter einen Generationenwechsel im eigenen Haus vornehmen. Die Kinder treten nach dem Ende der Ausbildung und einer mehrjährigen Banklaufbahn ins elterliche Geschäft ein und führen es weiter.
 

Es wird prognostiziert, dass es in fünf Jahren nur noch ein Zehntel der heute tätigen Unabhängigen gibt.

Diese Aussage hören wir seit über zehn Jahren. Wenn die Propheten Recht gehabt hätten, wäre die Branche schon ausgestorben. Wir sehen einen ungebrochenen Wachstumstrend in der unabhängigen Vermögensverwaltung. Nach wie vor eröffnen viele Private-Banker ihr eigenes Unternehmen. Weniger weil sie sich ein höheres Einkommen versprechen, sondern weil die Freiheit der beruflichen Lebensgestaltung offenbar einen Wert darstellt, den viele höher einstufen. Die Kunden ziehen mit, weil sie Individualität, Nähe zum Berater und Unabhängigkeit in der Produktwahl schätzen. Und da liegen die Stärken der unabhängigen Vermögensverwalter.
 
 
 
 
Cash, 18.08.2000, Nummer 33,  Seite 67
Interview

«Renditeversprechungen gebe ich nie»

Vermögensverwalter Jean-Pierre Zuber über Standesregeln.
 
«Schwarze Schafe» unter den Vermögensverwaltern schädigen das Image einer ganzen Branche. Der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) kämpft mit verschärften Standesregeln dagegen an. VSV-Präsident Jean-Pierre Zuber[50] gibt im CASH-Gespräch Tipps für Anleger bei der Wahl eines Vermögensverwalters.
FRANZ SCHAIBLE
 

CASH: Das Börsenjahr 2000 verläuft turbulent. Können Sie als Vermögensverwalter noch ruhig schlafen?

JEAN-PIERRE ZUBER: Ja. Das momentane Auf und Ab stellt keine Ausnahmesituation dar. Sowas gab es und wird es immer wieder geben. Emotionen und Volatilität gehören zu den Finanzmärkten und damit auch zum Alltag eines Vermögensverwalters. Ausserdem ist ein Vermögensverwalter mittel- bis längerfristig orientiert und muss so nicht auf jedes Tagesereignis reagieren.
 

Zittern Sie also nicht vor Kundenbesuchen, wenn die Performance nicht den Erwartungen entspricht?

Unsere Aufgabe ist es, dem Kunden die Situation darzustellen und im Detail zu begründen. In der Regel verliert ein Vermögensverwalter nicht Kunden, weil die Anlage zu wenig Rendite abwirft. Das ist kein Hauptargument.
 

Was ist denn für die Beziehung mit dem Kunden entscheidend?

Es ist die zwischenmenschliche Beziehung. Die Vertrauensbasis zwischen Verwalter und Anleger muss stimmen, denn das ist die Hauptvoraussetzung für eine auf den einzelnen Kunden ausgerichtete Beratung.

Da spielen doch auch externe Faktoren wie etwa der Herdentrieb mit. Angesichts der Kursexplosion der Technologietitel musste ein Vermögensverwalter auf den Zug aufspringen. Gab es nach dem Kurseinbruch keine roten Köpfe?
Auch die Vermögensverwalter sind diesem Trend sicherlich gefolgt. Ich persönlich versuchte jene Firmen herauszupicken, die real etwas herstellen, mit dem man Geld verdienen kann. So habe ich sehr wenig in Internettitel investiert. Damit bin ich gut gefahren.

Aber es gab den Druck von Kunden, in diese Branchen zu investieren.

Das ist nicht auszuschliessen. Im Prinzip muss der Vermögensverwalter aber auf die Risiken hinweisen. Falls diese ignoriert werden, muss er das Engagement vom Kunden bestätigen lassen. Wichtig ist zu wissen, dass wir keine Produkteverkäufer sind. Der Verwalter verfügt über eine Produktepalette, und seine Aufgabe ist es, jene Produkte auszuwählen, die auf den einzelnen Kunden zugeschnitten sind. Das ist ein anderer Ansatz als derjenige der Kollegen bei den Banken, die in jedes Depot bestimmte Produkte ihrer Bank aufnehmen müssen. Unsere Arbeit ist dagegen sehr stark auf das Individuum ausgerichtet.

Alle wussten es: Viele der jungen Wachstumsfirmen waren völlig überbewertet, trotzdem haben sich viele Anleger zu einem - letztlich teuer bezahlten - Engagement hinreissen lassen. Hat der Verband zu wenig explizit davor gewarnt?

Wir haben gewarnt, sind aber offenbar nicht überall gehört worden. Ich bin froh, dass die Luftblase geplatzt ist und wieder mehr Realitätssinn herrscht. Es wird aber immer Leute geben, die blindlings investieren.

Der Finanzexperte und Buchautor Erwin Heri sagt in seinem jüngsten Buch sinngemäss: Wer Anlegern Renditen von mehr als zehn oder zwölf Prozent verspricht, ist ein Scharlatan. Stimmen Sie dem zu?

Generell sind Renditeversprechen verdächtig. Wo die Scharlatanerei anfängt, will ich nicht beurteilen. Wenn mir ein Berater eine Rendite von fünf oder zehn Prozent im Jahr verspricht, gehen bei mir die Warnlampen an. Solche Versprechungen sind sehr problematisch. Der Berater kann wohl auf Erfahrungszahlen hinweisen, aber ich würde nie ein Renditeversprechen abgeben.

Auch zum Eigenschutz?

Genau. Wenn der Berater das Versprechen nicht einhält, kommt er in Zugzwang. Dann ist der Weg zur Spekulation nicht mehr weit.
 

Ihre Branche hat nicht das beste Image. Jeder kann sich Vermögensverwalter nennen und fremde Gelder waghalsig anlegen, oft zum Schaden der Investoren. Was macht der Branchenverband dagegen?

Das ist tatsächlich ein Problem. Wir setzen uns dafür ein, dass der Berufstitel geschützt ist, weil viele so genannte Vermögensverwalter, die absolut unseriös arbeiten, im Markt operieren. Die Situation hat sich aber jetzt im Zusammenhang mit der neuen Gesetzgebung gegen die Geldwäscherei entschärft.

Wie zeigt sich dies in der Praxis?

Laut dem Geldwäschereigesetz muss sich seit dem 1. April dieses Jahres jeder Finanzintermediär entweder direkt der Aufsicht der Kontroll- stelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei unterstellen und eine Bewilligung einholen, oder er muss sich einer der zwölf Selbstregulierungsorganisationen (SRO) angeschlossen haben. Die neue Gesetzgebung wird von unserem Verband begrüsst. Wir wollen uns damit auch vor den Abzockern schützen.

Wie wirkt der Schutz für Investoren?

Um in eine SRO aufgenommen zu werden, muss der Gesuchsteller Auflagen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Geldwäscherei erfüllen. In unseren Standesregeln sind zusätzliche berufsethische Verhaltensnormen enthalten. Der Verband hat heute ein dichtes Dispositiv gegen unseriöse Praktiken im Bereich der unabhängigen Vermögensverwaltung aufgezogen. Hinzu kommt, dass auch die Banken nur mit jenen zusammenarbeiten, die einer SRO angeschlossen sind.

Können Sie für Ihre Verbandsmitglieder die Hand ins Feuer legen?

Jeder verpflichtet sich, die Standesregeln einzuhalten. Deren Einhaltung wird jährlich kontrolliert. Abschliessende Garantien kann ich aber natürlich nicht für jedes einzelne Mitglied abgeben.
Viele Aufnahmegesuche von Vermögensverwaltern in den Verband sind noch hängig, nicht zuletzt, weil viele bis zum letzten Moment kurz vor der Deadline Ende März zuwarteten. Das spricht nicht gerade für eine grosse Kooperationsbereitschaft.
Es stimmt, viele haben sich sehr spät um die Verbandsmitgliedschaft und damit auch um den SRO-Anschluss bemüht, weil es das Gesetz verlangt. Wir blicken aber in die Zukunft. Wir wollen, dass möglichst viele Vermögensverwalter bei uns angeschlossen sind und seriös arbeiten.
Es wird aber weiterhin schwarze Schafe geben, die ohne Bewilligung arbeiten. Immerhin treten rund 1500 Anbieter als unabhängige Vermögensverwalter auf, von denen nur etwa die Hälfte im Verband organisiert ist.
Das ist zu befürchten, aber wohl nicht zu vermeiden. Aber auch der Anleger selbst kann Kontrollmechanismen einbauen. So darf er einem Vermögensverwalter niemals eine umfassende Vollmacht, sondern jeweils nur eine limitierte Verwaltungsvollmacht geben. Damit kann dieser nie über das Geld direkt verfügen, sondern es nur verwalten. Dem Vermögensverwalter muss klar sein, dass es nicht sein Geld ist, dass er sich nicht in dieses Geld verlieben darf.

Wie soll ein potenzieller Anleger seinen Vermögensverwalter auswählen?

Der Vermögensverwalter muss einer SRO angeschlossen oder der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei direkt unterstellt sein. Wenn einer diese Bedingung nicht erfüllt und keine Bankreferenzen vorweisen kann, darf ein Anleger die Beziehung nicht eingehen. Auf unserer Internetseite sind beispielsweise alle Vermögensverwalter namentlich aufgeführt, die der SRO unterstellt sind.

Vermögensverwalter richten sich nicht an Kleinanleger. Sie persönlich haben Ihre Minimalhöhe auf 500'000 Franken festgelegt. Wäre das nicht eine Marktlücke?

Es gibt in unserem Verband Mitglieder, die die Grenze deutlich tiefer angesetzt haben. Es ist aber auch einsichtig, dass mit 10'000 Franken die Risikofähigkeit beschränkt ist und anlagemässig nicht viele Möglichkeiten offen sind. Da stellen etwa Anlagefonds eine sehr gute Möglichkeit dar. Aber dafür braucht es keinen Vermögensverwalter.
 
 
 
 
Cash Invest,  06.11.1998, Nummer 45

«Unsere Stärke liegt in der persönlichen Kundenbeziehung»

Jean-Pierre Zuber über die Vorzüge unabhängiger Vermögensverwaltung
Das Vertrauen in die Banken ist nach den grossen Verlusten in Asien und dem Finanzdebakel mit Hedge-Funds geschwunden. Sind unabhängige Vermögensverwalter eine Alternative zu den grossen Geldinstituten? CASH hat mit Jean-Pierre Zuber, Präsident des Verbandes Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV), gesprochen.
Marianne Fassbind

CASH: Herr Zuber, weshalb soll ein Anleger sein Geld von einem unabhängigen Vermögensverwalter managen lassen?

Jean-Pierre Zuber: Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Es kann sein, dass der Kunde mit seiner Bankbeziehung nicht mehr zufrieden ist, weil seine Bedürfnisse zu wenig wahrgenommen werden oder weil ihm der momentane Bankberater nicht mehr passt. Unsere Stärke ist die persönliche Beziehung zum Kunden.

CASH: Mit anderen Worten: Sie sind der Meinung, die Beziehung zwischen Kunden und Banken sei zum grossen Teil anonym.

Zuber: Durch den häufigen Personalwechsel und Reorganisationen bei den Banken ist eine kontinuierliche persönliche Beziehung nur noch beschränkt möglich. Bei uns kann der Kunde hingegen davon ausgehen, langfristig den gleichen Ansprechpartner zu haben. Er bekommt nach wie vor die traditionelle Vermögensverwaltung mit einer individuellen Beratung. Bei Banken geht es hingegen heute vielfach um den reinen Produkteverkauf. Oft wissen die Anleger und gar der Bank-Kundenberater selbst nicht, welche Risiken sie eingehen.

CASH: Ein Hedge-Fund-Fall wie bei der UBS ist also bei einem unabhängigen Vermögensverwalter gar nicht möglich?

Zuber: Hedge Funds werden eingesetzt. Richtig gehandhabt sind solche Instrumente durchaus sinnvoll. Wir bieten unseren Kunden sämtliche verfügbaren Finanzinstrumente an. Der Kunde muss sich aber über die damit verbundenen Risiken im Klaren sein. Zudem müssen die eingesetzten Produkte, beispielsweise Optionsgeschäfte, in der mit dem Kunden schriftlich vereinbarten Anlagepolitik enthalten sein.

CASH: Viele Vermögensverwalter führen die Konti und Depots ihrer Kunden bei einer einzigen Bank. Besteht da nicht die Gefahr der Abhängigkeit?

Zuber: Im Gegenteil, je mehr Vermögen bei einer einzelnen Bank liegt, desto grösser ist unser Einfluss auf diese Bank. So können wir Gebührenvorteile für unsere Kunden herausholen.

CASH: Das sagen Sie! Diese Vorteile werden doch von den Vermögensverwaltern einbehalten. Sie ziehen es vor, nur mit einer Bank zusammenzuarbeiten, um hohe Courtage-Rückvergütungen zu erhalten.

Zuber: Nein, obwohl dies in einzelnen Fällen nicht auszuschliessen ist. Gemäss unserem Ehrenkodex und den Standesregeln bildet das mit dem Kunden schriftlich vereinbarte Verwaltungshonorar den Hauptbestandteil unserer Einnahmen. Allfällige Retrozessionen haben eine untergeordnete Bedeutung.

CASH: Sind Vermögensverwalter nicht sehr viel teurer als eine Bank?

Zuber: Gegenüber Banken sind wir durchaus konkurrenzfähig. Zudem erhalten unsere Kunden dank einer umfassenden individuellen Beratung mehr für ihr Geld.

CASH: Gibt es Preisabsprachen innerhalb des Verbandes?

Zuber: Nein. Der Ehrenkodex, dem alle unsere Mitglieder unterstehen, schreibt jedoch ein Maximalhonorar von 1,5 Prozent des verwalteten Vermögens vor. Bei Erfolgshonoraren beträgt der maximale Satz 20 Prozent des Nettokapitalzuwachses. Grundsätzlich ist die schriftliche Vereinbarung mit dem Kunden massgebend.

CASH: Kann der Anleger bei Ihnen eine höhere Performance erwarten?

Zuber: Auch wir kochen nur mit Wasser und sind den Chancen und Risiken der globalen Finanzmärkte ausgesetzt. Ziel muss es sein, mit der gewählten Anlagestrategie ein nachhaltiges, optimales Ergebnis zu erreichen. Von Rendite- und Performanceversprechen halte ich nichts.

CASH: Woher beziehen Sie Ihre Informationen?

Zuber: Im Unterschied zu einem Anlageberater bei einer Bank sind wir bei der Informationsbeschaffung viel unabhängiger. Wir holen die Infos von verschiedenen Banken, Brokerhäusern, den Gesellschaften selbst und natürlich von den Medien ein. Ein Anlageberater in einer Bank muss sich hingegen vorwiegend an bankinterne Empfehlungen halten.

CASH: Wie wird man eigentlich unabhängiger Vermögensverwalter?

Zuber: Die meisten Vermögensverwalter haben früher bei einer Bank gearbeitet und sich danach selbständig gemacht, weil sie sich vermehrt um die Kunden und weniger um eine Karriere in der Hierarchie kümmern wollten. Neben einer fundierten Grundausbildung und langjähriger Erfahrung verpflichten wir unsere Mitglieder zu permanenter Weiterbildung.

CASH: Unabhängiger Vermögensverwalter ist aber immer noch ein ungeschützter Beruf.

Zuber: Deshalb haben sich 1986 einige Vermögensverwalter zusammengeschlossen und Standards gesetzt. Diese Regeln wurden in der Zwischenzeit mehrmals überarbeitet. Daraus ist der Ehrenkodex entstanden. Die Einhaltung dieses Kodexes müssen die einzelnen Verbandsmitglieder jährlich durch ihre Revisionsstelle bestätigen lassen. Momentan sind wir wieder daran, den Ehrenkodex zu überarbeiten und Standesregeln aufzustellen. Es geht uns vor allem darum, noch strengere Regeln zu formulieren und neu auch Aspekte des Geldwäschereigesetzes zu übernehmen. Mit diesen Standesregeln wollen wir als Selbstregulierungs organisation (SRO), wie es das Geldwäschereigesetz vorschreibt, anerkannt werden.

CASH: Wie findet man einen geeigneten Vermögensverwalter?

Zuber: Am besten ist es, wenn man eine Empfehlung erhält. Da aber in der Schweiz nicht über Geld gesprochen wird, ist das ziemlich schwierig. Natürlich kann ich Ihnen die Mitglieder unseres Verbandes empfehlen. Aber auch dann lohnt es sich, zuerst mit mehreren Vermögensverwaltern ein Vorgespräch zu führen. Bei  Verwaltern, die nicht Mitglied des Verbandes sind, empfehle ich, weitere Abklärungen, beispielsweise bei Banken, einzuholen.

CASH: Ab welcher Vermögenshöhe lohnt es sich, einen Vermögensverwalter zuzuziehen?

Zuber: Ich habe mein Minimum auf 500'000 Franken festgesetzt. Es gibt innerhalb des Verbandes auch tiefere Mindestgrenzen.
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