Cash Invest

Cash Invest,  06.11.1998, Nummer 45

«Unsere Stärke liegt in der persönlichen Kundenbeziehung»

Jean-Pierre Zuber über die Vorzüge unabhängiger Vermögensverwaltung
Das Vertrauen in die Banken ist nach den grossen Verlusten in Asien und dem Finanzdebakel mit Hedge-Funds geschwunden. Sind unabhängige Vermögensverwalter eine Alternative zu den grossen Geldinstituten? CASH hat mit Jean-Pierre Zuber, Präsident des Verbandes Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV), gesprochen.
Marianne Fassbind

CASH: Herr Zuber, weshalb soll ein Anleger sein Geld von einem unabhängigen Vermögensverwalter managen lassen?

Jean-Pierre Zuber: Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Es kann sein, dass der Kunde mit seiner Bankbeziehung nicht mehr zufrieden ist, weil seine Bedürfnisse zu wenig wahrgenommen werden oder weil ihm der momentane Bankberater nicht mehr passt. Unsere Stärke ist die persönliche Beziehung zum Kunden.

CASH: Mit anderen Worten: Sie sind der Meinung, die Beziehung zwischen Kunden und Banken sei zum grossen Teil anonym.

Zuber: Durch den häufigen Personalwechsel und Reorganisationen bei den Banken ist eine kontinuierliche persönliche Beziehung nur noch beschränkt möglich. Bei uns kann der Kunde hingegen davon ausgehen, langfristig den gleichen Ansprechpartner zu haben. Er bekommt nach wie vor die traditionelle Vermögensverwaltung mit einer individuellen Beratung. Bei Banken geht es hingegen heute vielfach um den reinen Produkteverkauf. Oft wissen die Anleger und gar der Bank-Kundenberater selbst nicht, welche Risiken sie eingehen.

CASH: Ein Hedge-Fund-Fall wie bei der UBS ist also bei einem unabhängigen Vermögensverwalter gar nicht möglich?

Zuber: Hedge Funds werden eingesetzt. Richtig gehandhabt sind solche Instrumente durchaus sinnvoll. Wir bieten unseren Kunden sämtliche verfügbaren Finanzinstrumente an. Der Kunde muss sich aber über die damit verbundenen Risiken im Klaren sein. Zudem müssen die eingesetzten Produkte, beispielsweise Optionsgeschäfte, in der mit dem Kunden schriftlich vereinbarten Anlagepolitik enthalten sein.

CASH: Viele Vermögensverwalter führen die Konti und Depots ihrer Kunden bei einer einzigen Bank. Besteht da nicht die Gefahr der Abhängigkeit?

Zuber: Im Gegenteil, je mehr Vermögen bei einer einzelnen Bank liegt, desto grösser ist unser Einfluss auf diese Bank. So können wir Gebührenvorteile für unsere Kunden herausholen.

CASH: Das sagen Sie! Diese Vorteile werden doch von den Vermögensverwaltern einbehalten. Sie ziehen es vor, nur mit einer Bank zusammenzuarbeiten, um hohe Courtage-Rückvergütungen zu erhalten.

Zuber: Nein, obwohl dies in einzelnen Fällen nicht auszuschliessen ist. Gemäss unserem Ehrenkodex und den Standesregeln bildet das mit dem Kunden schriftlich vereinbarte Verwaltungshonorar den Hauptbestandteil unserer Einnahmen. Allfällige Retrozessionen haben eine untergeordnete Bedeutung.

CASH: Sind Vermögensverwalter nicht sehr viel teurer als eine Bank?

Zuber: Gegenüber Banken sind wir durchaus konkurrenzfähig. Zudem erhalten unsere Kunden dank einer umfassenden individuellen Beratung mehr für ihr Geld.

CASH: Gibt es Preisabsprachen innerhalb des Verbandes?

Zuber: Nein. Der Ehrenkodex, dem alle unsere Mitglieder unterstehen, schreibt jedoch ein Maximalhonorar von 1,5 Prozent des verwalteten Vermögens vor. Bei Erfolgshonoraren beträgt der maximale Satz 20 Prozent des Nettokapitalzuwachses. Grundsätzlich ist die schriftliche Vereinbarung mit dem Kunden massgebend.

CASH: Kann der Anleger bei Ihnen eine höhere Performance erwarten?

Zuber: Auch wir kochen nur mit Wasser und sind den Chancen und Risiken der globalen Finanzmärkte ausgesetzt. Ziel muss es sein, mit der gewählten Anlagestrategie ein nachhaltiges, optimales Ergebnis zu erreichen. Von Rendite- und Performanceversprechen halte ich nichts.

CASH: Woher beziehen Sie Ihre Informationen?

Zuber: Im Unterschied zu einem Anlageberater bei einer Bank sind wir bei der Informationsbeschaffung viel unabhängiger. Wir holen die Infos von verschiedenen Banken, Brokerhäusern, den Gesellschaften selbst und natürlich von den Medien ein. Ein Anlageberater in einer Bank muss sich hingegen vorwiegend an bankinterne Empfehlungen halten.

CASH: Wie wird man eigentlich unabhängiger Vermögensverwalter?

Zuber: Die meisten Vermögensverwalter haben früher bei einer Bank gearbeitet und sich danach selbständig gemacht, weil sie sich vermehrt um die Kunden und weniger um eine Karriere in der Hierarchie kümmern wollten. Neben einer fundierten Grundausbildung und langjähriger Erfahrung verpflichten wir unsere Mitglieder zu permanenter Weiterbildung.

CASH: Unabhängiger Vermögensverwalter ist aber immer noch ein ungeschützter Beruf.

Zuber: Deshalb haben sich 1986 einige Vermögensverwalter zusammengeschlossen und Standards gesetzt. Diese Regeln wurden in der Zwischenzeit mehrmals überarbeitet. Daraus ist der Ehrenkodex entstanden. Die Einhaltung dieses Kodexes müssen die einzelnen Verbandsmitglieder jährlich durch ihre Revisionsstelle bestätigen lassen. Momentan sind wir wieder daran, den Ehrenkodex zu überarbeiten und Standesregeln aufzustellen. Es geht uns vor allem darum, noch strengere Regeln zu formulieren und neu auch Aspekte des Geldwäschereigesetzes zu übernehmen. Mit diesen Standesregeln wollen wir als Selbstregulierungs organisation (SRO), wie es das Geldwäschereigesetz vorschreibt, anerkannt werden.

CASH: Wie findet man einen geeigneten Vermögensverwalter?

Zuber: Am besten ist es, wenn man eine Empfehlung erhält. Da aber in der Schweiz nicht über Geld gesprochen wird, ist das ziemlich schwierig. Natürlich kann ich Ihnen die Mitglieder unseres Verbandes empfehlen. Aber auch dann lohnt es sich, zuerst mit mehreren Vermögensverwaltern ein Vorgespräch zu führen. Bei  Verwaltern, die nicht Mitglied des Verbandes sind, empfehle ich, weitere Abklärungen, beispielsweise bei Banken, einzuholen.

CASH: Ab welcher Vermögenshöhe lohnt es sich, einen Vermögensverwalter zuzuziehen?

Zuber: Ich habe mein Minimum auf 500'000 Franken festgesetzt. Es gibt innerhalb des Verbandes auch tiefere Mindestgrenzen.
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