Private Banking Guide

Swiss Private Banking Guide, 2007

Leben auf permanenter Baustelle

Der Präsident des Schweizerischen Vermögensverwalterverbandes erläutert im Gespräch mit Stocks die wichtigsten Baustellen, die er als Lobbyist für die Branche aktuell beackert.
 

Seit wann sind Sie Präsident des VSV?

Meine Firma ist Mitglied im VSV seit 1991. Im Jahre 1993 wurde ich in den Vorstand gewählt und seit 1998 bin ich Präsident. An der diesjährigen Mitgliederversammlung kann ich also mein zehnjähriges Jubiläum als Präsident feiern. Ich kann auf zehn enorm ereignisreiche Jahre zurückblicken und freue mich auf die nächsten Jahre.
 

Welches sind die wichtigsten Neuregulierungen, die in Ihre Amtszeit fallen?

Die vergangenen zehn Jahre waren an der Regulierungsfront ein Leben auf einer permanenten Baustelle. Schwerpunktereignisse waren sicherlich das Geldwäschereigesetz und dessen Umsetzung in den Jahren 1999 und 2000 und das auf den 1. Januar 2007 in Kraft getretene neue Kollektivanlagengesetz. Wichtig war aber auch die mehrjährige Debatte über die Ausdehnung der sogenannten prudentiellen Aufsicht auf die unabhängigen Vermögensverwalter. Ende 2001 sah es so aus, als sei die Eingliederung der unabhängigen Vermögensverwalter in die Bankenaufsicht nur noch eine Frage der Zeit. Am Ende der Debatte im Herbst 2005 erkannte aber auch der Bundesrat, dass es kein Regulierungsbedürfnis gibt, wenn damit kein freier Zugang zu den ausländische Märkten verbunden ist. Ein guter Entscheid. Die Regulierungsdebatte wird aber damit nicht für alle Zeit vom Tisch sein. Das Thema wird sicherlich wiederkommen.
 

Welche Regulierungen, die die unabhängigen Vermögensverwalter betreffen, sind derzeit auf dem Weg?

In der Schweiz ist zur Zeit „nur“ die Revision des Geldwäschereigesetzes in der Pipeline. Die grösseren Regulierungsvorhaben betreffend die unabhängigen Vermögensverwalter sind abgeschlossen oder befinden sich, wie z.B. das Kollektivanlagengesetz, in der Phase der technischen Umsetzung durch die Behörden und Verbände. Es zeigt sich aber mehr und mehr, dass der Blick bis zu den eigenen Landesgrenzen ungenügend ist. In der EU wir zur Zeit die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) umgesetzt. Die neue einheitliche Regulierung auch der Vermögensverwaltung in Gesamteuropa wird auch ihre Spuren in der Schweiz hinterlassen. Auch wenn wir kein Mitglied der EU oder des EWR sind, können wir uns diesen Einflüssen kaum entziehen. Die Regulierung im EWR prägt die Erwartung vieler unserer Kunden. Die neuen Bestimmungen über die Kundeninformation oder die detaillierten Regeln über den Umgang mit Interessenkonflikten werden auch die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz beeinflussen. Eine spannende Herausforderung für die Selbstregulierung der Branche in der Schweiz.
 

Wie beurteilen Sie die zunehmende Regulierungsdichte?

Über das Erreichen der Zumutbarkeitsgrenze bei der Regulierungsdichte wurde in den letzten 10 Jahren unendlich viel geschrieben und debattiert. Die grundlegenden Fakten sind trotzdem einfach: Die Regulierung und die daraus entstehenden Kosten belasten kleine Unternehmen viel stärker als grosse. Der regulatorisch bedingte Kostenanstieg hat bei unseren KMUs eine Belastungsgrenze erreicht, die nicht überschritten werden darf. Für die Mehrzahl kleiner Vermögensverwalter werden die regulatorisch bedingten Kosten sonst zu einer Existenzfrage. Politik und Behörden begreifen nur langsam, dass die Konzepte und Methoden zur Beaufsichtigung grösserer Bankinstitute nicht in gleicher Weise auf KMU angewendet werden können. Hier ist noch viel zu tun für den VSV. Die EU verordnet zum 15. Juni 2007 an den Aussengrenzen der EU die Auskunftspflicht für Bargeldtransfers ab 10000 Franken.
 
 

Was hält der schweizerische Verband der Vermögensverwalter davon?

Die Meldepflicht betrifft jegliches Bargeld über EUR 10‘000 (nicht CHF), das von Personen beim Grenzübertritt mitgeführt wird. Von dieser neuen Regelung sind die Vermögensverwalter weit weniger betroffen, als die Menschen, die in grenznahen Gebieten leben und deren geschäftliche Tätigkeit sich auf beiden Seiten der Grenze abspielt. Jedes einfache Zug um Zug-Geschäft wird so mit sinn- und zwecklosen bürokratischen Hürden versehen. Vor allem das im grenznahen Raum tätige Gewerbe wird dadurch, angeblich um die Terrorismusfinanzierung zu bekämpfen, regelrecht schikaniert. Wir hoffen, dass dieser Unsinn ein Ende finden wird, wenn die Personenkontrollen an den Grenzen mit dem Beitritt der Schweiz zum Schengener Abkommen abgebaut werden. Das Wachstum der grossen Vermögen findet in Asien, Middle East und Lateinamerika statt.
 
 

Was tut der Verband, um seine Mitglieder bei der Erschliessung dieser Vermögen auf der Höhe der Zeit zu halten?

Die Netzwerke unserer Mitglieder sind gut. Die Marketingstärke der unabhängigen Vermögensverwalter liegt nicht im Sponsoring von Mega-Anlässen, wie z.B. dem America’s Cup. Persönliche Beziehungen und die Empfehlung durch bestehende Kunden sind die wichtigsten Marketinginstrumente von kleinen Unternehmen. Und hier zeigen wir uns sehr stark. Mit seinem Jahresbudget von rund CHF 3 Mio., das knapp zur Bestreitung der Kosten der notwendigen politischen Arbeit in der Schweiz, der Mitgliederunterstützung und -betreuung und der Selbstregulierungsorganisation reicht, kann der VSV keine grossen Sprünge auf dem internationalen Parkett machen.
 

Betreibt der Verband gezieltes Lobbying für seine Mitglieder in attraktiven Märkten?

Als Verband ist der VSV für alle seine Mitglieder da. Er hat sich strikt wettbewerbsneutral zu verhalten. Er kann also nicht ausgewählte Mitglieder auf deren individuellen Absatzmärkten fördern. Damit kann der VSV nur die Marke „VSV“, als gemeinsames Zeichen der führenden unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz, im Interesse aller Mitglieder fördern. Dies setzen wir mit verschiedenen Massnahmen um. Zum einen versuchen wir, die Marke „VSV“ in den Medien auf den wichtigen Märkten zu präsentieren, um damit die bestehende und potentielle Kundschaft unserer Mitglieder auf den Qualitätsgedanken des VSV „einzuschwören“. Andererseits pflegt der VSV intensive Kontakte zu ausländischen Organisationen und Verbänden, in welchen traditionell zu den Kundenkontaktvermittlern für unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz gehörenden Branchen vereint sind. Dazu gehören ausländische Verbände von Banken, Vermögensverwaltern, Rechtsanwälten, Treuhändern, Finanzberatern etc. Diese zum Beraternetz der ausländischen Kunden gehörenden Dienstleister sind wichtige „Referrers“ für Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Bei diesen Profis muss die Marke „VSV“ als Gütesiegel für qualitativ hochstehende Vermögensverwaltung weltweit bekannt sein. Zudem evaluieren wir zur Zeit, wie der VSV eine Präsenz im Ausland auch an Veranstaltungen, wie Finanzmessen, internationalen Kongressen etc. aufbauen kann. Das sind relativ kostspielige Unterfangen, deren Wirksamkeit genau zu prüfen ist. Der Vorstand des VSV will hier sicher nicht einen schönen, aber unnützen Kongresstourismus für die Mitarbeitenden aufziehen.
 

Wie entwickelt sich das thema Akquise/Niederlassung von Schweizer Vermögensverwaltern in der EU weiter?

Wir beobachten die Massnahmen zur Marktabschottung gegen die schweizerische Konkurrenz in vielen EU-Staaten sehr genau. Dabei zeigt sich ein zunehmend uneinheitliches Profil in den verschiedenen Ländern. Es gibt Länder, die missachten bei der Dienstleistungserbringung im Rahmen des GATS eingegangene völkerrechtliche Verpflichtungen, während andere im Rahmen der Öffnung der Märkte innerhalb der EU auch eine Marktöffnung gegenüber Drittstaaten betreiben. Diese Staaten haben erkannt, dass es besser ist, die Tätigkeit unabhängiger Vermögensverwalter aus der Schweiz zuzulassen, als die weitere Abwanderung von Vermögen in Kauf zu nehmen. Unabhängige Vermögensverwalter aus der Schweiz können hier nach wie vor und effektiv Nischen besetzen. Allerdings könnte die politische Unterstützung der unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz durch die hiesige Politik durchaus besser sein. Während die Eidgenössische Bankenkommission in einigen EU-Staaten, insbesondere in Deutschland, für die Banken sehr erfolgreich lobbyiert hat, erfahren die unabhängigen Vermögensverwalter keine entsprechende Unterstützung. Wir hoffen, dass sich dieses ungleiche Lobbying ändert, wenn die schweizerischen Finanzmarktaufsichtsbehörden in der FINMA unter einem Dach vereint werden.
 

Nutzen schweizerische Vermögensverwalter den Schritt über den Rhein ins Fürstentum Liechtenstein, um sich EU-kompatible Lösungen zu erschliessen?

Es gibt einige Mitglieder, die in Liechtenstein ein Standbein eröffnen, um eine aktive Bearbeitung des europäischen Marktes aus dem EWR zu betreiben. Das Fürstentum Liechtenstein bietet für die Ansiedlung von Vermögensverwaltungsunternehmen, die aktives Marketing im EWR-Raum betreiben wollen, rechtlich interessante Rahmenbedingungen. Andererseits sehen wir auch eine gegenläufige Bewegung, nämlich die Umsiedlung von unabhängigen Vermögensverwaltern aus dem EWR-Raum in die Schweiz. Der Standort Schweiz ist für Vermögensverwaltungsdienstleistungen also nach wie vor sehr attraktiv.
 

Wieviel Geldwäschetatbestände wurden im Rahmen der SRO VSV im vergangenen Jahr gemeldet?

Die Meldepflicht nach dem GwG trifft nicht den VSV, sondern die Mitglieder. Die Mitglieder sind von Gesetzes wegen nicht verpflichtet, uns über jede Meldung zu orientieren. Die Gesamtzahl der Meldung ermitteln wir jeweils aufgrund der Revisionsberichte. Die Auswertung für das Jahr 2006 ist noch nicht komplett. Wir rechnen aber damit, dass dem allgemeinen Trend folgend auch die Verdachtsmeldungen durch die VSV-Mitglieder rückläufig sein dürften. Unsere SRO rechnet mit einer sehr tiefen zweistelligen Zahl von Verdachtsmeldungen durch die VSV-Mitglieder. Die Bemühungen um einen sauberen Finanzplatz greifen. In der Schweiz Geld waschen zu wollen, ist sehr unattraktiv geworden.
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